OSTERNBURG

Im Südosten Oldenburgs liegt ein Stadtteil, der sich durch seine vielfältigen geschichtlichen Facetten von den anderen Stadtteilen Oldenburgs unterscheidet. Im Jahre 1428 erstmals urkundlich erwähnt, wurde “Osterenborch” 1616 ein eigenständiges Kirchspiel. Ursprünglich war Osternburg eher ländlich geprägt mit Bauern- und Ackerbürgerhäusern. Das Gut Drielake und seine Ländereien war eines der gräflichen Vorwerke. Nahe an der Stadt Oldenburg gelegen nutzten gräfliche Hofbeamte und Angehörige des Militärs Osternburg gerne als Wohnsitz. Mit dem Bau einer Reiterkaserne, der späteren Dragonerkaserne, etablierte sich Osternburg zum Militärstandort. Als in Oldenburg um 1810 eine kleine jüdische Gemeinde entstand, errichtete man an der Dedestraße den Jüdischen Friedhof. Ab Mitte des 19. Jahrhundert veränderte sich der  Charakter Osternburgs stark. Durch Ansiedelung von Industriebetrieben wie der Glashütte und der Warpsspinnerei wurde Osternburg zum wichtigsten Industriestandort in einer ansonsten industriearmen Region. Am 1. Oktober 1922 verlor Osternburg durch Eingemeindung seine Selbstständigkeit und wurde mit seinen damals ca. 12.000 Einwohnern und einer Fläche von 5084 ha Teil der Stadt Oldenburg.

Frau Z.: Zoll (2) 03.30 “Osternburg ist” bis 03.42 “nie weg”.

ZU DEN ANFÄNGEN OSTERNBURGS

aus Kohls, Dietrich, Geschichte der Stadt Oldenburg, Der Stadtkörper Oldenburg, 1925, S.52.
Ausschnitt aus "Plan der Grossherzoglichen Haupt- u. Residenz- Stadt Oldenburg" von Heinrich Hotes 1867.
Blick vom Damm Richtung Cäcilienbrücke mit dem Luftschiff LZ 127 "Graf Zeppelin" im September 1929.

Zu den Eingemeindungen (u.a. Osternburgs im Jahr 1922) schrieb der damalige Oberbürgermeister Oldenburgs Dr. Görlitz:

“Die Oldenburger Eingemeindungen versprechen einen vielfachen Nutzen für die Entwicklung der Stadt. Erst durch die Eingemeindungen ist es möglich geworden, einen Benutzungs- und Baustufenplan so aufzustellen, daß reine Wohn- und reine Industrieviertel gebildet und die Industrieviertel nach dem bei dem vorherrschenden Westwind besonders geeigneten Osten des gesamten Stadtgebildes gelegt werden….”

(Aus: Die Landeshauptstadt Oldenburg, Stadtmagistrat Oldenburg, Dr. Görlitz, Dari Verlag 1927)

Die Bremer Straße

Die Cäcilienbrücke im Jahre 1937.

Über Brücken geht es von der Innenstadt über den Küstenkanal und die Hunte in den Stadtteil Osternburg. Die Cäcilienbrücke war eines der Eingangstore. Hier beginnt die Bremer Straße.

Früher hatten viele Straßen – auch in Osternburg – eine sogenannte Blaubasaltpflasterung, die insbesondere bei Regen zu Unfällen führte. Ab den 1950er Jahren beseitigte man diese Pflasterung nach und nach, auch die der Bremer Straße. Beim Osternburger Markt erfolgte eine Begradigung des Straßenverlaufs. Der Bereich erhielt zum Teil eine neue Gestaltung. Dafür wurde u.a. das ehemalige Osternburger Gemeindehaus abgerissen.

Ein Ausschnitt aus dem Pharus-Plan Oldenburg, um 1915. Der Hunte-Ems-Kanal verlief entlang von Schleusen- und Kanalstraße, davon zweigte der Osternburger Kanal ab. Am linken Bildrand entlang der Elisabethstraße ist die Hunte zu sehen.
Nach Fertigstellung des Hunte-Ems-Kanals wurde auf den Fundamenten der alten Brücke 1896 diese Klappbrücke gebaut. Sie verschwand mit dem Ausbau des Küstenkanals. Das Bild stammt aus den frühen 1920er Jahren. Das kleine Gebäude an der Ecke Bremer Straße/Brunnenstraße (heute Hermann-Ehlers-Straße) in der Mitte des Bildes zeigt die Anfänge des Bauunternehmens Ludwig Freytag.
Herr v.d.L. (von der Linde (5) 06.25 “Wir wohnten” bis 08.02 “aufs Wasser brachte”
Die Bremer Straße, Blick Richtung Innenstadt 1970er Jahre.
Bis 1961 befand sich in diesem Haus die Drogerie Osternburg von Karl Meyer, danach der Friseursalon Dworzak.
Der Friseursalon von Ernst Dworzak war in den 1930er Jahren im Souterrain des Hauses Bremer Straße 18. Das Foto stammt aus den 1930er Jahren. Mit dem Gerät rechts oben wurden die Dauerwellen der Damen gemacht.
Das Haus an der Bremer Straße 15 wurde 1818 erbaut. Ursprünglich war es der Wohnsitz des Hofbeamten Graf Friedrich Franz von Münnich (1788-1870).
Die Landessparkasse zu Oldenburg hatte 1936 das ehemalige Dragoner-Brigade-Haus (Polizeidragoner) an der Ecke Bremer/ Stedinger Straße erworben. Ursprünglich war es die erste Militärkaserne in Osternburg (1829 erbaut). Zu Gunsten eines Neubaus der Landessparkasse zu Oldenburg erfolgte der Abriss des Gebäudes. Im Souterrain des Hauses dahinter war damals das Gemüsegeschäft Domin. Das Foto stammt aus den 1950er Jahren.
Herr D. erinnert sich: an den Bombenangriff am Ende des Zweiten Weltkriegs auf das Gemüsegeschäft seiner Eltern an der Bremer Straße (Domin) DSC 2288 von 0.00 “Also es war” bis 01.45 “gesprengt” und 03.54 “Ich weiß noch” bis 04.41 “sicheren Raum da” und 05.17 “Es kam eine” bis 05.26 “Unser Vater wär”.
Kurz vor dem Neubau der Landessparkasse zu Oldenburg an der Ecke Bremer/ Stedinger Straße im Jahre 1958. Im Hintergrund das Gebäude mit dem kleinen Vorbau war Sitz des 3. Polizeireviers.
Die Grundsteinlegung für den Bau der Landessparkasse zu Oldenburg am 04.12.1958.
Das damals neue Gebäude der Landessparkasse zu Oldenburg im September 1959.
Gegenüber an der Ecke Bremer /Cloppenburger Straße befand sich ein Haus, das von Osternburgern "Dreisers Eck" genannt wurde. Es war Wohn- und Geschäftshaus. Das Bild stammt aus den 1970er Jahren. Abgerissen wurde das Gebäude in den 1980er Jahren.
Kreuzung Bremer/ Stedinger/ Cloppenburger Straße im Dezember 1951. Alljährlich gab es reichlich Weihnachtsgeschenke für die Verkehrsposten der Polizei. Es ist überliefert, dass die Osternburger durch die Stadt Oldenburg fuhren und die anderen Verkehrsposten "kontrollierten". Hatten die mehr Geschenke als ihr Osternburger Verkehrsposten, wurde in Osternburg noch einmal nachgelegt.
Das mehrfach umgebaute bzw. erweiterte Gebäude an der Ecke Bremer Straße/Cloppenburger Straße hat eine wechselvolle Geschichte: 1824 ließ es der Baukondukteur Heinrich Slevogt erbauen. Ab den 1890er Jahren wurde es als Offizierskasino genutzt. Nach 1928 hatte die ev. Kirchengemeinde ihren Kindergarten, später ihr Gemeindehaus (heute unter der Bezeichnung Jochen-Klepper-Haus) in dem Gebäude. Die Aufnahme stammt aus der Zeit Ende 1920/ Anfang 1930er Jahren.
Das 3. Polizeirevier an der Ecke Bremer/Stedinger Straße im Jahre 1973. Daneben das Taxi-Unternehmen Bald.
Das Betten- und Modehaus "de Wall", wohl 1970er Jahre.

Über Jahrhunderte hatte Osternburg keine eigene Apotheke. In der benachbarten Gemeinde Oldenburg gab es bereits ab dem 17. Jahrhundert Apotheken (Rats-, Hof- und Hirschapotheke). Mit dem stetigen Wachstums Osternburgs, insbesondere im 19. Jahrhundert entstand ein zunehmendes Bedürfnis nach pharmazeutischer Versorgung. Erst 1901 eröffnete zunächst eine Zweigstelle der Ratsapotheke in Osternburg. 1905 wurde sie unter dem Namen “Löwen-Apotheke” selbstständig.

Ansicht der Löwen-Apotheke an der Bremer Straße in den 1950er Jahren.
Ein altes Destiliergerät der Firma Franz Hering von 1948 in der Löwenapotheke.
Das Gemeindebüro beim Osternburger Markt mit der Dreifaltigkeitskirche im Hintergrund. Das Haus wurde 1953 abgebrochen.
NWZ vom 24.06.1954
Das Foto ist von 1970. In dem Haus links befand sich der Friseursalon Mönnich, neben der Reinigung Wüsteney war damals eine Diskothek.
Das neue Postamt 2 am Osternburger Marktplatz eröffnete 1952. Aus dieser Zeit stammt auch die Aufnahme.
Blick auf den "neuen" Osternburger Markt im Jahre 1955.
Die alte Osternburger Markthalle an der Ecke zur Ekkardstraße.

DIE SCHAUBURG

Das Osternburger Kino „Wunderburg-Lichtspiele“ war 1928 eröffnet worden. Doch bereits vier Jahre später schloss es wieder wegen „Unrentabilität“. 1936 zunächst unter dem Namen „Burg-Lichtspiele“ wiedereröffnet, hieß es dann etwas später „Schauburg-Lichtspiele“. Nach dem zweiten Weltkrieg beschlagnamten die Briten das Kino für ihre Truppen. Die Osternburger eröffneten daraufhin daneben ein Ausweichkino. Nach Abzug der Briten ging die „Schauburg“ in ihre alten Räumlichkeiten zurück.

Erst Dreisers Etablissement (wohl ab 1894), dann Frohns Hotel - Restaurant (wahrscheinlich ab 1901), später zum Kino umgebaut.
Die Wunderburg-Lichtspiele, etwa um 1930. Ganz rechts im Bild an der Ecke Ekkardstraße die alte Osternburger Markthalle.
Zeitungsanzeige aus der Zeit der Eröffnung.
Ein Filmplakat von 1937. Damals nannte sich das Kino "Burg-Lichtspiele".
Das Osternburger Kino "Schauburg" am Osternburger Markt Ende der 1940er Jahre.
An der Bremer Straße in den 1970er Jahren
Ein Blick von der Ecke Schützenhofstraße/Bremerstraße in den 1970er Jahren.
Werbung aus dem Jahr 1984
Blick Richtung Bremer Heerstraße, rechts die Osternburger Gaststätte "Zur Linde". Das Foto ist Mitte/Ende der 1950er Jahre entstanden. Im Hintergrund die Anfang der 1950er Jahre durch die "Handwerker-Baugesellschaft" und die "Neuen Heimat" gebauten Wohnungsblocks.

DIE DRAGONERKASERNE

Die Kaserne war 1859 für das Oldenburgische Reiterregiment erbaut worden. Als sich die deutschen Teilstaaten – und damit auch das Großherzogtum Oldenburg – zwischen 1866 und 1871 durch eine Militärkonvention dem Oberbefehl des Preußischen Königs unterstellten, ging das Oldenburgische Reiterregiment als Dragonerregiment Nr.19 in die Preußische Armee ein.

Blick in die damals Bremer Chaussee, etwa um 1910. Rechts die Einfahrt zur Schützenhofstraße. Im Hintergrund links die Dragonerkaserne.
Die Dragonerkaserne in den 1970er Jahren. Sie wurde 1980 abgerissen. Auf dem Gelände entstand 1986 das neue Gebäude des Kreiswehrersatzamtes.

Die Bremer Heerstraße

Stadtauswärts beim Autohaus Braasch wird die Bremer Straße zur Bremer Heerstraße. Sie wurde zwischen 1821 und 1830 als “Bremer Chaussee” und Straße von Oldenburg nach Bremen erbaut. Zuvor hatte es für die Postkutsche nur den beschwerlichen sandigen (Winter-)weg über die Cloppenburger Straße, Kreyenbrück, die Osenberge, Kirchhatten, Delmenhorst nach Bremen gegeben. Die Sommerstrecke verlief über den Klambeker Weg (heute Holler Landstraße), Iprump und Wüsting.

Um der großen Wohnungsnot nach Ende des zweiten Weltkriegs zu begegnen – es waren über 40.000 Flüchtlinge in die Stadt Oldenburg gekommen – entstanden auch an der Bremer Heerstraße an beiden Straßenseiten stadtauswärts noch vor den  Bahnübergängen neue Wohnblocks. 

DER ZENTRALVIEHMARKT

Im 19. Jahrhundert veränderte sich das Marktwesen für Großvieh. Anstelle vieler kleiner Märkte wurden große Zentralviehmärkte geschaffen, was infolge verbesserter Verkehrsverhältnisse möglich wurde. Da aber in Oldenburg zunächst kein solcher Zentralviehmarkt eingerichtet wurde, ging das Oldenburger Vieh über fremde Märkte wie Leer, Dortmund, Köln, später auch Osnabrück. Der Oldenburger Stadtmagistrat griff – um die wirtschaftliche Situation Oldenburgs insoweit zu verbessern – nach dem ersten Weltkrieg den Plan der Schaffung eines eigenen Zentralviehmarktes wieder auf.

Lageplan des Zentralviehmarktes im Bereich der Bremer Heerstraße, aus Dr. Görlitz, Die Landeshauptstadt Oldenburg, Dari Verlag 1927, S. 74. Zur besseren Orientierung haben wir dem Plan weitere Straßennamen hinzugefügt. Die damalige Sandstraße ist heute die Kanonierstraße sowie die Dragonerstraße.

Es ging zunächst es um die Frage an welchem Ort in Oldenburg man überhaupt einen solchen Markt einrichten könnte. Erst war der Stadtteil Donnerschwee dafür im Gespräch. Weil es aber dort zu Grundstücksschwierigkeiten kam, entschied sich der Stadtmagistrat für das Gelände des alten Ulmenhofs zwischen Ulmenstraße, Harmoniestraße, Gasweg und Bremer/ Bremer Heerstraße in Osternburg. 1926 wurde der Zentralviehmarkt in Betrieb genommen.

Der Zentralviehmarkt hatte einen eigenen Eisenbahnanschluss mit Laderampen.
Der offene Marktplatz war mit eisernen Anbindevorrichtungen versehen. Auf dem Gelände befanden sich außerdem weitere Einrichtungen wie ein Restaurant, Bankstellen, eine Post, Viehagenturen, der tierärztliche Dienst und die Marktverwaltung. Außerdem waren Viehställe (ehemals Stallungen für die Pferde der Dragoner) vorhanden.
Eine Versammlung vor dem Restaurant des Zentralviehmarktes. Im Hintergrund die Ulmenstraße.

Viele jüdische Viehhändler wickelten ihre Geschäfte auf dem Osternburger Zentralviehmarkt ab. In der NS-Zeit wurde der Viehmarkt an den Stau verlegt, direkt neben den städtischen Schlachthof, weil das Gelände in Osternburg wieder für militärische Zwecke genutzt werden sollte. Den Viehmarkt am Stau durften jüdische Viehhändler nicht mehr betreten.

Handel auf dem Zentralviehmarkt in Osternburg Ende 1920er Jahre.
Außer der städtischen Gasanstalt am Oldenburger Hauptbahnhof gab es ebenfalls in der damals selbstständigen Gemeinde Osternburg in der Zeit von 1902 bis 1920 im Bereich Bremer Heerstraße/Gasweg eine Gasanstalt mit Ofenanlage. Das Gebäude links steht noch heute am Gasweg.
Das linke Gebäude ist der Osternburger Bahnhof etwa um 1910.
Herr M. erinnert sich an das Tanzlokal “Müller” am Osternburger Bahnhof kurz nach Ende des Krieges: Meyer (6) 07.15 “In dem Tanzlokal” – 07.53 “Tanzlokal” zusammen mit 08.36 “und Vögel” – 09.17 “abgearbeitet”
Die Bahnstrecke Richtung Osnabrück mit Blick zur Bremer Heerstraße, wahrscheinlich 1950er Jahre. Rechts ist die Straße Am Bahndamm.
Die Bremer Heerstraße Richtung Osternburger Bahnhof (bei den zweiten Bahnschranken links). Die Aufnahme stammt wahrscheinlich aus den 1980er Jahren.
An der Ecke Bahndamm/ Bremer Heerstraße stand Boosens Pavillon. Boosen war gelernter Konditor und Confiseur und stellte sein Eis selbst her. Auch Getränke, Obst und Süßigkeiten bekam man bei ihm. Im Hintergrund die Bahnstrecke Richtung Osnabrück (Güterbahnabzweig von der Bremer Bahnstrecke).
Luftaufnahme von der Bremer Heerstraße, etwa 1970er Jahre. Am unteren Bildrand der Uhlenweg.
Frau Z. erinnert sich an die Nachkriegszeit: Zoll (7) 03.07 “Als der Krieg” bis 03.46 “wichtig”.
Die Fahrradreparaturwerkstatt und Klempnerei von Anni und Hermann Zoll in den 1960er Jahren.
Frau Z. erzählt aus den 1950er Jahren: Zoll (2) 14.18 “Wenn man mal überlegt” bis 16.29 “Kunden gebracht”.
In diesem Haus an der Bremer Heerstraße eröffnete Friseurmeister Emil Wiersdorf in den 1940er Jahren sein Geschäft.
Viele kleine Geschäfte befanden sich an der Bremer Herstraße, so auch das des Kohlenhändlers Johann Böschen, der seine Kunden zunächst noch mit Pferd und Wagen belieferte. Damals heizten und kochten viele Haushalte noch mit Kohle. Die Aufnahme stammt aus den 1950ern.
Frau Z erinnert sich: Zoll (9) 08.14 “und vor allen Dingen” bis 08.52 “Schuhe”.
An der Bremer Heerstraße befand sich das Lebensmittelgeschäft Hülsebusch. Das Bild stammt vermutlich aus den 1980er Jahren.
In der Schlachterei Hartz im Jahre 1954.
Das Geschäft der Fleischerei Hartz, 1980er Jahre.
Das Hotel-Restaurant "Zur grünen Eiche", 1980er Jahre.
Die Bremer Heerstraße in den 1960er Jahren. Die Häuser rechts wurden inzischen abgerissen. Dort steht heute der Combi-Markt.
Das Hotel "Bavaria" im Jahre 1963.
Turnunterricht für die Mädchen auf dem Schulhof der Grundschule "Drielaker Moor", vermutlich Ende 1920er Jahre.
Die Grundschule "Drielaker Moor", wohl 1940er Jahre.

Die Cloppenburger Straße

Die Cloppenburger Straße ist eine der ältesten Straßen Oldenburgs. Zu Beginn hieß die Straße „Winterweg nach Bremen“. Den heutigen Namen, der zurückgeht auf die Hausmanns-Familie Kloppenburg, erhielt die Straße im Jahre 1860.

Bis in die 1960er Jahre sah die nördliche Cloppenburger Straße noch wie ein Dorfweg aus. Dann wurde sie zum Sanierungsgebiet erklärt und ein Teil der historischen Ackerbürgerhäuser abgerissen, die Straße ausgebaut.

Da die Cloppenburger Straße bereits früher dem Durchgangsverkehr diente, wurden an der Straße mehrere Wirtshäuser betrieben.

Ein Blick von der Kreuzung Bremer Straße in die Cloppenburger Straße in den 1970er Jahren.
Das Lederwarengeschäft Bargmann, wohl 1980er Jahre.
Diese Villa an der Cloppenburger Straße wurde 1824/25 für Alexander von Rennenkampff (1783-1854) gebaut, der als Kammerherr am Hofstaat von Paul Friedrich August von Oldenburg tätig war. Das Foto entstand Ende der 1960er Jahre.
In den 1970er Jahren, ganz links das Lebensmittelgeschäft Hoes, dann die Gärtnerei Cordes und Lederwaren Bargmann.
Die Dreifaltigkeitskirche an der Cloppenburger Straße im Jahre 1966.
Die Gaststätte "Zum Goldenen Stern". Das Foto wurde 1992 aufgenommen. Das Haus ist von 1834.
Frau B. erinnert sich: (Borries (5) von 09.47 ” Und vor allen ” bis 10.12 “war ja Platz”
An der Ecke zur Gorch-Fock-Straße befand sich die alte Osternburger Schule (erbaut 1832). Das Foto aus den 1970er Jahren ist von der Gorch-Fock-Straße aus aufgenommen. Es zeigt den Innnenhof und rechts das zweite 1871 errichtete Schulhaus. In den 1990er Jahren diente es als Freizeitstätte für Kinder von 6 bis 12 Jahren.
Blick auf die Cloppenburger Straße, Anfang 1950er Jahre.
Herr M. erinnert sich: Müller (2) 02.42 “Ja ich habe hier” bis (“der Herr Hopp rausschneiden”) bis 03.41 “Katastrophe”.
Die Glaserei Müller an der Cloppenburger Straße in den 1970er Jahren.
Herr M. erinnert sich: Müller (3) 02.50 “Der erste” bis 03.52 “gepflanzt”.
An der Ecke Cloppenburger Straße/Graf-Anton-Günther-Straße waren die Osternburger Holzbearbeitungswerkstätten von Gustav Voß. Das Foto stammt vermutlich aus der Zeit um 1910.
Die Strickwarenfabrik Karl Wemmie zog später in das ehemalige Betriebsgebäude der Holzverarbeitungswerkstätten Gustav Voß. Die Aufnahme stammt vermutlich aus den 1970er Jahren.
Frau B. erinnert sich: (Borries (6) von 10:23 ” Es waren ” bis 10.45 “auch Bauern”
Die Cloppenburger Straße mit Ackerbürgerhäusern im Jahre 1958.
Herr M. erinnert sich: Müller (6) von 03.35 ” Das heiß doch hier” bis 03.57 “verfällt”
Die Sanierungspläne, NWZ vom 21.02.1968
Cloppenburger Straße in den 1970er Jahren.
Ecke Cloppenburger-/Umgehungstraße im Jahre 1974.
Mohrmann´s Gasthaus an der Cloppenburger Straße vermutlich 1940er Jahre.
Nun heißt die Gaststätte/Hotel "Zum schwarzen Ross". Das Foto stammt wohl aus den 1950er Jahren.
Die Gaststätte "Zum schwarzen Ross" in den 1970er Jahren.
Der Gastraum in den 1970er Jahren.
Der Abriss der alten Gaststätte.

Die Stedinger Straße

Die Stedinger Straße führte diese Bezeichnung seit 1907. Frühere Bezeichnungen sind  “Straße nach Blankenburg” oder “Langenweg”. Nach der Ansiedlung von Industriebetrieben in Drielake führte die Straße direkt ins Arbeiterviertel Osternburgs. Durch die Betriebe kam es zu einer sozialen Teilung innerhalb Osternburgs. Glashütte, Warpsspinnerei, Wagenbauanstalt, Werft und Arbeitersiedlungen wirkten sich aber auch allgemein auf das Ansehen Osternburgs im Verhältnis zur Stadt und anderen Stadtteilen aus. Das spürte man zum Teil noch bis in die Gegenwart hinein. Auf der anderen Seite förderte es aber auch einen starken Zusammenhalt der Osternburger.

Herr M. erzählt: Müller (2) 03.47 “Das war das rote” bis 03.58 “Arbeiterstadt”
Die Stedinger Straße um 1970.
Links Häuser der Siedlung Blumenhof. Das Foto stammt aus den 1970er Jahren.
Plan von der Siedlung Blumenhof mit der Blumenhofschule (aus Görlitz, Die Landeshauptstadt Oldenburg, Dari Verlag 1927)

Die Blumenhofsiedlung mit insgesamt 21 Wohnungen und das Schulgebäude entstanden nach dem Ersten Weltkrieg. Bauherr war die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft, die 1921 gegründet worden war, um der Wohnungsknappheit zu begegnen, die damals herrschte.

Die Oldenburger Brotfabrik M&C Brokat an der Stedinger Straße meldete Mitte der 1960er Jahre Konkurs an. Kurze Zeit später wurde der Betrieb von der H. Bahlsen Keksfabrik in Hannover übernommen.
Die Bahlsen-Keksfabrik Mitte der 1980er Jahre. Angegliedert vor Ort war ein kleiner Fabrikverkauf.
Die katholische Heilig Geist-Kirche an der Ecke Dedestraße in den 1980er Jahren.
Ein Culemeyer-Straßenroller mit einem Kohlewaggon auf dem Gelände der Firma Heinrich Martens an der Stedinger Straße 62 in den 1950er Jahren.

ALHAMBRA – ALT-OSTERNBURG

Von der Stedinger Straße aus  zu sehen, liegt das Gebäude “Alhambra – Alt-Osternburg” an der Hermannstraße 83. Sein Ursprung geht auf das Jahr 1858 zurück, ab 1896 war dort die Gaststätte “Becker´s Etablissement”. Mehrfach umgebaut wurde das Gebäude als Lokal “Tonhalle” zum Zentrum der Osternburger Arbeiterbewegung. Ende der 1940er Jahre wurde der Saal zum Kino umgebaut. Nach Ende des Kinobetriebs 1966 stand das Gebäude jahrelang leer. Im Jahre 1977 gründeten 13 Personen den Verein zur Förderung eines Aktions- und Kommunikationszentrums Alhambra e.V..

Das Lokal "Tonhalle" war das Zentrum der Osternburger Arbeiterbewegung. DIe Aufnahme vom Festsaal stammt aus den 1920er Jahren.
Eine Demonstration der KPD in der Hermannstraße im Jahr 1932. Links und rechts das Haus gehörten zur Arbeitersiedlung "Roter Strumpf"
Herr M. erzählt: (Meyer (13) von 08.43 ” Also ” bis 09.17 “musste da hingehen”
NWZ vom 20.09.1949
NWZ von 1951
Das Alhambra im Jahre 1985.
Die Stedinger Straße im Winter 1990/91
An der Stedinger Straße Nr. 80, vermutlich 1920er Jahre.
Später war in dem Haus der Blumenladen von L. Siebes. Das Foto ist aus den 1980er Jahren.
Ein Blick aus der Weserstraße Richtung Stedinger Straße Anfang 1980er Jahre. Rechts das Gelände der Firma Sartorius.
Die Aufnahme stammt aus den 1950er Jahren. Im oberen Teil ist die Stedinger Straße zu erkennen, sowie die Nordstraße, die nach rechts verläuft.

DIE WARPSSPINNEREI

Die Warpsspinnerei an der Stedinger Straße

Seit 1856 befand sich die Warpsspinnerei an der Stedinger Straße in Osternburg. Sie war für Osternburg ein wichtiger Arbeitgeber. Dadurch, dass die ausländische Konkurrenz in der Textilbranche in den 1960er Jahren größer wurde und die Maschinen nicht auf synthetische Garne ausgelegt waren, kam 1972 das endgültige Aus für die Spinnerei an der Stedinger Straße.

DIE OLDENBURGISCHE GLASHÜTTE

Das Gelände der Glashütte an der Stedinger Straße, vermutlich 1950er Jahre.
Herr M. erinnert sich (Meyer (16) von 0.29 “Aus eigener Anschauung” bis 01.07 “kannte ich vorher nicht”
Stedinger Straße 1970er Jahre
Die Eisenbahndrehbrücke über die Hunte, erbaut 1904/1905 mit Blick Richtung Osternburg. Die Aufnahme stammt aus der Zeit um 1910.
Herr M. erinnert sich an die Nachkriegszeit: (Meyer (13) von 05.50 ” Ja die Eisenbahnbrücke” bis 06.16 “in Ordnung war”
Die Eisenbahnbrücke in den 1960er Jahren.
Die Eisenbahnbrücke mit der Glashütte vom Stau aus.

DAS GUT DRIELAKE

Das Gut Drielake war mit seinen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Ländereien zu Zeiten Graf Anton Günthers (1583-1667) eines von 35 gräflichen Vorwerken. Das Vorwerk Drielake umfasste einst die gesamte nutzbare Fläche an der Hunte. Dabei handelte es sich um die Hunteniederungswiesen, die sich etwa von der heutigen Straße “Am Festungsgraben” (entspricht auf der Vogteikarte etwa dem Öeljestrich) bis zum Heidenwall (heute etwa Bereich Hemmelsbäker Kanal von der Holler Landstraße zur Hunte hin) erstreckten.

Ausschnitt aus der Oldenburgischen Vogteikarte um 1790. Herzog Friedrich August hatte zuvor für das im Jahre 1774 geschaffene Großherzogtum Oldenburg eine allgemeine Landvermessung verkündet, weil man zur Erschließung und den wirtschaftlichen Aufbau des Landes zuverlässige Topographische Karten brauchte. Der in der Vogteikarte genannte Klambeker Weg entspricht der heutigen Holler Landstraße.

Bereits ab 1784 wurde das Vorwerk zerstückelt. Ein Teil der Ländereien wurde später an J. Harbers zur Errichtung einer Glashütte weiterverkauft. Ab 1847 waren „Gerd Voß Erben“ Eigentümer. Sie nannten sich nun „Gutsbesitzer zu Drielake“. Weitere Flächen wurden zur Gründung der Warpsspinnerei veräußert. Später gingen andere Grundstücke an die Wagenbauanstalt und die Brand Werft. Auch die Firma Rhein-Umschlag siedelte sich – allerdings erst in den 1930er Jahren – auf einem Bereich des ehemaligen Vorwerks an.

Endgültig eingestellt wurde die Bewirtschaftung des (Rest-) Gutes Drielake während des ersten Weltkrieges. Das alte Hofgebäude, das sich hinter den Hallen der Wagenbauanstalt Richtung Hunte befand, wurde in den 1980er Jahren abgerissen.

Vorderansicht des Hofgebäudes
Die Sandsteinplatte über dem Eingangsbereich am Giebel des Gutshauses erzählte aus der vergangenen Zeit: „Vorwerk Drielake kaufte Hermann Dinklage von der Wunderburg den 11. Mai 1784. Ist nachdem ansehnlich verbaut und dieser Giebel .1797.“
Auf dem Gelände befand sich auch ein Wohnhaus. Das Bild stammt aus den 1950er Jahren. Im Hintergrund sind die Bahnstrecken nach Bremen und Osnabrück zu sehen.
1980er Jahre, Nutzung durch die Firma Haniel. Die letzte große Fläche der Ländereien des ehemaligen Vorwerks Drielake (heute Bereich Ems-/Weser-/Rheinstraße) war noch bis in die 1950er Jahre Kleingartengelände. Dann siedelten sich auch hier Gewerbebetriebe wie TURM-Sahne, EDEKA, Sartorius und die Eisengießerei Harms an.

DIE WAGENBAUANSTALT

Die Wagenbauanstalt (WOAG) an der Stedinger Straße/Holler Landstraße befand sich auf einem Teil der Ländereien des ehemaligen Vorwerks Drielake. Die Aufnahme stammt aus den 1920er Jahren. Zu erkennen ist auch das alte Gutsgebäude des Gutes Drielake etwa in der Mitte des Bildes hinter dem hellen Schornstein.
Ein Straßenbahnwaggon, der in der Osternburger Wagenbauanstalt gefertigt wurde. 1920er Jahre.

An der Holler Landstraße befand sich der Sportplatz des SSV-Victoria.  Mangels einer eigenen Sportstätte des Motor-Sport-Clubs-Oldenburg fanden auf dem Platz ab 1952 auch Aschenbahnrennen statt.

Auf dem Victoria-Platz in den 1960er Jahren.

Der sogenannte “Kurvenkampf” gehörte zu den spannensten Momenten bei den Aschenbahnrennen.

Zuschauermassen verfolgten die Rennen mit dem damaligen Oldenburger Idol Hans Jäger.

DIE BRAND WERFT

Die Brand Werft siedelte im Jahre 1917 vom Stau nach Osternburg um auf das Gelände an der Einmündung Hemmelsbäker Kanal in die untere Hunte. An dieser Stelle befand sie sich bis zu ihrem Ende 1997.

Das Gelände der Brand Werft im Jahre 1955.
Schiffbau auf der Brand Werft im Jahre 1986.

Osternburgs bunte Straßenvielfalt

Bau der Amalienbrücke in den 1920er Jahren von der Kanalstraße aus gesehen.
Die Amalienbrücke 1950er Jahre
Die Amalienbrücke. Foto aus 1980er Jahren.
Die Amalienbrücke, 1980er Jahre.
Die Nordstraße Richtung Amalienbrücke in den 1970er Jahren. Der Name rührt daher, dass die Straße im Norden der ehemals selbstständigen Gemeinde Osternburg lag.
Das Mehrfamilienhaus stand an der Ecke Nordstraße/ Emsstraße und wurde im Zuge des Baus der neuen Amalienbrücke abgerissen, 1970er Jahre.
In der Hermannstraße, etwa 1910
In der Hermannstraße bei der Bäckerei Behrens, etwa 1920er Jahre.
Der Bäckereiwagen der Bäckerei Behrens in der Hermannstraße, etwa 1930er Jahre.
Sturmflut im Jahre 1962, Überschwemmungen in der Hermannstraße.
Die Charlottenstraße, 1970er Jahre.
Ekkartstraße , wohl 1950er Jahre. Links ist die Halle von Tura76.
Die Grundschule "Auf der Wunderburg" in der Ekkartstraße.
Die Realschule Osternburg 1960er Jahre.
Ein Blick in die Ulmenstraße, 1970er Jahre.
Die Weitzstraße um 1950.
Kaufmannsgeschäft von Max Hilsberg an der Ecke Dragoner-/Schulstraße in den 1950er Jahren.
Polizeiliche Strafverfügung wegen Fahrradfahrens ohne Licht in der Sandstraße (heute Dragonerstraße) im Jahr 1922.

DIE FIRMA WESTERHOLT

Die Firma Westerholt an der Dragonerstraße wurde 1859 vom Zimmermeister Friedrich Westerholt gegründet. Der Betrieb leistete die Zimmerarbeiten für viele bedeutendende Oldenburger Gebäude, zB. für das Amtsgericht und das ehemalige Ministerium. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Firma um eine Maurerei erweitert. In der Folgezeit übernahm der Betrieb Aufträge wie die Aufstockung des Piushospitals, Bau von Häusern für die Eisenbahn und Bau eines Flügels des Alten Gymnasiums.

Die Dragonerstraße mit der Firma Westerholt, wohl 1960er Jahre. Sie befand sich gegenüber der Einmündung zum Plaggenhau.
Arbeiter der Firma Westerholt an der Dragonerstraße etwa 1920er Jahre.

DIE FIRMA EDUARD BEYER

Ebenfalls an der Dragonerstraße befand sich eine der ältesten Glasformenfabriken Europas, die Firma Eduard Beyer. Im Jahre 1877 gegründet, beschäftigte die Firma bis zu 120 Mitarbeiter und war für Osternburg ein wichtiger Arbeitgeber.

Die Glasformenfabrik Eduard Beyer an der Dragonerstraße. Links im Bild ist der Jüdische Friedhof.
Weihnachtsfeier in der Glasformenfabrik Eduard Beyer, Anfang 1960er Jahre.

Ende der 1980er Jahre wurden Glasformen allerdings unattraktiv, weil Kunststoff die Oberhand auf dem Markt übernahm. Hinzu kam die Konkurenz aus Osteuropa. Mitte der 1990er Jahre musste die Firma Konkurs anmelden. 

Die Leichenhalle auf dem Jüdischen Friedhof Ecke Dragoner-/Dedestraße wurde im Jahre 1925 errichtet.
An der Dedestraße hatte Hildegard Neumann ihren kleinen Laden. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1988.
Nikolausfeier im katholischen Kindergarten an der Dedestraße Anfang der 1960er Jahre.
Schulstraße mit Blick Richtung Stedinger Straße.
Die Drielaker Schule 1980er Jahre.
Ein Blick Richtung Sandweg in den 1950er Jahren.
Der Drielaker Hof der Familie Barkemeyer in den 1980er Jahren.

Am Schiebenkamp befanden sich früher die Höfe der Bauern Vahlenkamp und Steenken.

Als die Stadt Oldenburg in den 1950er Jahren zur Schaffung neuen Wohnraums freie Grundstücksflächen benötigte, griff sie auch in Osternburg auf landwirtschaftliche Flächen zurück.

Der Bauernhof der Familie Steenken am Plaggenhau in den 1950er Jahren.
Die Rückseite des Bauernhofes der Familie Steenken am Plaggenhau, vermutlich 1950er Jahre.

ARBEITERWOHNUNGEN UND -SIEDLUNGEN IN DRIELAKE

Wegen der Ansiedlung von Glashütte und Warpsspinnerei waren in Osternburg viele einfache Arbeiterwohnungen entstanden. Die ersten Wohnungen der Glashütte befanden sich sogar noch auf dem Fabrikgelände, da es in früheren Zeiten wichtig war, dass die Glasmacher auf Abruf zur Verfügung standen, wenn das Glas verarbeitungsreif geschmolzen war. Ein Großteil der Werkswohnungen der Glashütte entstand zwischen 1889 und 1901. In dieser Zeit wurden vier Werkssiedlungen gebaut.

Die Lage der Werkssiedlungen und ihre Namen. Der Ursprung für diese Bezeichnungen ist nicht genau geklärt. Es gibt unterschiedliche Ansätze. (Teilausschnitt aus "Stadtplan von Oldenburg", Hrsg. und Verlag Littmann, 5.Auflage, 1930er Jahre)
Die Arbeitersiedlung "Roter Strumpf", Mitte 1950er Jahre. Die Siedlung war an der Ecke Nordstraße/Hermannstraße gegenüber des heutigen "Alhambra". Sie bestand aus 8 Häusern für je 4-8 Familien und wurde zwischen 1874 und 1898 erbaut.
Kinder in der Arbeitersiedlung "Kamerun" (Nollstraße/Behrensstraße) im Winter in den 1950er Jahren.
Die Breslauer Straße in den 1930er Jahren. Die Siedlungshäuser entstanden zwischen 1928 und 1938. Hintergrund war damals die Schaffung von Wohnraum für Arbeiterfamilien. In den letzten Jahren des ersten Weltkriegs war der Wohnungsbau völlig zum Erliegen gekommen und mit Heimkehr der Kriegsteilnehmer wurde ein empfindlicher Wohnungsmangel spürbar. Die Ge­meinnützige Siedlungsgesellschaft mbH Oldenburg (heute GSG), die zum Zwecke der Schaffung gesunden, zweckmäßigen und bezahlbaren Wohnraums im Jahre 1921 gegründet worden war, baute die Siedlung.Die freistehenden zweigeschossigen Einzelhäuser sahen eine gemeinschaftliche Nutzung von Wasch­küche, Gartenflächen und Stallungen vor und waren jeweils für vier bis sechs Familien gedacht.
In der Breslauer Straße, wohl 1950er Jahre.
In diesen Häusern längs der Stedinger Straße hatte die Warpsspinnerei ebenfalls eigene Werkswohnungen, die inzwischen abgerissen wurden. Das Foto ist aus den 1970er Jahren.
Hochzeit am Wichmannweg in Osternburg in den 1960er Jahren. Am Wichmannsweg befanden sich Arbeiterwohnungen für Eisenbahnbedienstete.
Schlittenfahren am Hemmelsbäker Kanalweg in den 1950ern.
Herr M. erzählt zu Überschwemmungen im Bereich des Herrenweges und deren Regulierungen in den 1950er Jahren: (Meyer (13) 02.04 “Insofern ist es”- 05.02 “besiedelt worden”.
Marianne und Egon Vahlenkamp besaßen am Herrenweg bis zum Jahre 2004 einen kleinen Tante-Emma-Laden.
Die Turnhalle des Sportvereins "Glück auf" am Uhlenweg in den 1950er Jahren.
Herr M erzählt zur Umgehungstraße, bei deren Bau während des Zweiten Weltkrieges auch Zwangsarbeiter eingesetzt wurden: Meyer (5) von 04.46 “Also die Umgehungstraße” – 06.41 “alles fertig als Autobahn”
Der Uhlenweg in den 1960er Jahren. Im Hintergrund die Umgehungstraße.
Ecke Dragonerstraße/Harmoniestraße mit der Gaststätte "Harmonie".
Die "Harmonie", wohl 1950er Jahre.
Eine Festveranstaltung in der Gaststätte "Harmonie" anläßlich des 90jährigen Jubiläums des Drielaker Männerchores im Jahre 1975.

Arbeitergesangvereine hatten in Osternburg eine lange Tradition. So wurde der Arbeitergesangverein “Liedertafel” 1884 von den Glasmachern der Oldenburgischen Glashütte gegründet. Die Lieder, die zu der Zeit gesungen wurden, waren eine Unterstützung im Kampf der Arbeiter um Freiheit, höheren Lohn, verbesserten Arbeitsbedingungen und gegen Kinderarbeit. Sie wurden vor allem bei politischen Veranstaltungen im damaligen “Alt-Osternburg” (Alhambra) vorgetragen. Die “Liedertafel” genoss großen Zuspruch bei den Osternburger Arbeitern. Immer wieder gesungen wurde Lieder wie “Wir sind die Schmiede der neuen Zeit” (Komp.: Pfirstinger/Text: Boese) oder “Laßt uns wie Brüder treu zusammen stehen” (Komp.: Étienne-Nicolas Méhul/Text: Boese):

Es ist überliefert, dass – als während der Nationalsozialistischen Zeit der Gesangverein verboten wurde und eine Beschlagnahme der musikalischen Literatur drohte – das Vereinsmitglied Gotthilf N. eine Schachtel mit den Noten in seinem Kleingarten hinter dem Victoria-Sportplatz vergrub, so dass sie erhalten und nach 1945 wieder in Gebrauch genommen werden konnten.

Hausbau in den 1960er Jahren in der Harmoniestraße. Im Hintergrund die Gewächshäuser der Gärtnerei Engels, die ihren Betrieb damals aufgab und das Land an Bauwillige verkaufte.
Ein Umzug der Straßengemeinschaft Kampstraße im Jahre 1955.
Herr M. erinnert sich an die Kriegszeit, die er in Osternburg erlebte: Meyer (1) 0.41 “Hier war mal ein Angriff” – 01.30 “auf jeden Fall Brot”
Bei den Silos in der Kampstraße/Gasweg, Anfang 1950er Jahre.

Ganz herzlichen Dank sagen wir nochmal allen, die unser Stadtteilprojekt “Fernes Land Osternburg”, das im Jahre 2018 stattgefunden hat, mit ihren Zeitzeugenerinnerungen, Fotos, Filmaufnahmen, eigenen Veranstaltungen und privaten Dokumenten unterstützt haben!

LITERATUR/QUELLEN

Festung und Garnison Oldenburg, Gilly de Montaut, Oldenburg, Holzberg 1981.

Oldenburg zur Zeit des Zweiten Deutschen Kaiserreichs 1871-1918, Oldenburg, Isensee 1985.

Militär und Zivil im alten Oldenburg, Oldenburger Forschungen, Egbert Koolmann u.a., Oldenburg, Isensee 1998 (Dragoner Kaserne)

Heinz Meyer in Osternburg – Ein Ort mit vielen Gesichtern, Schachtschneider, Matthias, Isensee 1999 (Gut Drielake)

Dr. Görlitz, Die Landeshauptstadt Oldenburg, Dari 1927 (Zentralviehmarkt, Wohnungsbau)

Lioba Meyer in Osternburg – Ein Ort mit vielen Gesichtern, Schachtschneider, Matthias, Isensee 1999 (Werkswohnungen)

Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Arbeiter-Liedertafel Osternburg, 1984.